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Hasendraht und Dilletanten (von Winfried - 1.7.2003 11:29)
Hallo Dougie,

> Was sie schreiben stimmt schon. Was ich bemaengele ist das, das das Ziel, welches man zu erreichen versucht, und der Weg auf dem man es zu erreichen versucht, nicht zusammen passen.

Ich glaube schon, dass hinter dem Zaun vielleicht um den Faktor 100 weniger Strahlung vom Sender ankommt, wenn man es richtig macht. Und das bedeutet dann wieder halbwegs normale Werte, wie sie auch die typische Bevölkerung abbekommt. Das man hinter dem Gitter schlechter telefonieren kann, dürfte nicht soviel ausmachen, weil das wohl nur den betrifft, der direkt dahinter wohnt. Und der will ja gerade weniger Belastung und wird dann wohl kaum selber mobil telefonieren. Und wenn doch, dann ist das sein Preis, den er für weniger Dauerbelastung bezahlt. Und wenn viele andere tatsächlich von so einem Funkschatten betroffen sind, dann kommt das nächste gute Ziel, was erreicht wird: Der Sendemast wird dort aufgebaut, wo nicht Anwohner einer Strahlenbelastung ausgesetzt werden, die um Faktor 20 höher ist, als üblich.

Ein weiteres Ziel ist, der Mobilfunkindustrie zu zeigen, dass man sich wehrt, wenn Masten ungünstig positioniert werden. Das finde ich gut, trägt es doch dazu bei, dass künftig Menschen weniger Strahlung ausgesetzt sind. Die Verantwortlichen wissen mittlerweile einfach, egal wie es mit den Grenzwerten ist, man sollte es einfach nicht tun, weil es Ärger gibt. Man sollte mit Strahleneinwirkung sehr vorsichtig agieren, sonst wehren sich die Leute. Also meiner Auffassung kommt das sehr zugute. Leider kommen dann auch so merkwürdige Dinge bei heraus, versteckt Antennen zu installieren. Das ist wieder nicht gut, weil dann die potenzielle Bedrohung mal wieder nicht sichtbar ist.

>als ohne Zaun. An umliegenden Gebaeuden und am Zaun selber wird es Reflektionen geben, die somit den gewuenschten Effekt zu nichte machen.

Das wäre durchaus denkbar.

>
> Und ganz abgesehen von dem geradegeschriebenen: was ist mit all den anderen elektromagentischen Feldern? Werden die Schildbuerger jetzt auch ihre Staubsauger, Haartrockner und Fernseher in Aluminumfolie einpacken? Das waere die logische Konsequenz (etwas ueberspitzt ausgedrueckt).

Naja, das ist ja nun auch nicht sonderlich intelligent. Sie wissen doch genau, dass ein Mobilfunksender, der permanent einstrahlt gar nicht mit Feldern aus Staubsauger, Haartrockner usw. zu vergleichen ist. Erstens verwendet man diese Geräte selten, zweitens sind es andere Felder, die natürlich auch unter Verdacht stehen, gesundheitliche Risiken zu sein.

Natürlich muß ich mich auch um andere Dinge kümmern. Aber ein Mobilfunksender, der Tag und Nacht eine Feldstärke einstrahlt, die einige tausend mal stärker ist als andere Funkwellen, die auf das Haus und die meisten anderen Haushalte in Deutschland einstrahlen, das ist doch schon was, was man besonderer Beachtung würdigen muß. Völlig unabhängig von Grenzwerten. Es ist eine Anomalie.


>
> Wir haben im unserem alltaeglichen Leben soooo viele verschiedene elektromagentische Felder, die in ihrer Wirkung auf den Menschen allesam bekannt sind. Mobilfunk eingeschlossen.

Auch hier verzerren Sie die Relationen: Haupteinstrahlungsquelle für die meisten Haushalte bei dauernder Belastung mit typisch Faktor 20-200 mal stärker als alles andere, was Hochfrequenz ausstrahlt, sind Mobilfunkmasten und DECT-Basisstationen, bei letzterem die Peakwerte betrachtet. Es ist _nicht_ so, als würde Mobilfunkstrahlung nur eine Quelle neben vielen sein. Es ist die Hauptquelle schlechthin, wenn man alles mal wegnimmt, was im Nahbereich Wenn Einzelpersonen jetzt behaupten, das ausgerechnet die (extrem kleinen) Felder der nahegelegenen Basisstation ausloeser fuer ihr Unwohlsein sein sollen, so halte ich das fuer extrem unwahrscheinlich,

Extrem klein gegenüber einem Fernsehsender in 100m Entfernung sicherlich. Extrem hoch gegenüber anderen Einstrahlungen im HF Bereich für manche und hoch für fast die gesamte Bevölkerung in Deutschland.

Wenn ich sehe, wie Sie hier die Dinge verzerrt darstellen, dann bekomme ich tatsächlich ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn Sie dann auch Menschen richtig beraten sollen, die Entscheidungsträger sind. Das Vertrauen in Sie als einen ganzheitlich sehenden Menschen hätte ich auf jeden Fall nicht. Für meinen Geschmack liegt ihnen das Geschäft und die Menschen rund um dieses Geschäft zu sehr am Herzen, als dass sie ganzheitlich gute Entscheidungen treffen und gut beraten können.

> zumal die weltweite Wissenschaft trotz erheblicher Anstrengung noch immer nicht in der Lage ist, dieses Phaenomen nachzuweisen. Ein tatsaechlich 'Elektrosensibler' ist bis heute noch nicht gefunden worden. (Nein: auch Rainer ist keiner)

Wir forschen auch schon bestimmt 50 Jahre intensiv an Krebs und haben noch vieles nicht verstanden. Die Motivation, bei EMF wirklich was finden zu wollen, ist begrenzt. Es gibt nicht viele Wissenschaftler, die es sich auf ihre Fahne geschrieben haben, dort was finden zu wollen, die davon überzeugt sind, dort was zu finden. Es lohnt sich nicht und nur Idealisten würden das tun. Davon gibt es nicht viele. Und wenn es dort Phänomene gibt, dann finden die nicht die Wissenschaftler, deren Glaube ist, das dort nichts zu finden sein kann. Was du glaubst, das wird dein denken lenken.

> > Und daneben ist es natürlich auch wunderbar Medienwirksam. Von daher verfehlt es seinen Zweck schonmal nicht.
> >
>
> Meiner Meinung nach der einzige Zweck der Aktion.

Ach was, die Welt ist immer vielschichtig. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der irgendwas nur aus einer Motivation tut. Sie diskutieren auch nicht nur so, weil es von ihnen so erwartet wird, weil es ihr Geschäft ist. Sie haben auch ganz persönliche Gründe, so zu argumentieren. Ein anderer Grund könnte wieder sein, dass jede Gemeinschaft sich abgrenzt und sich gegen andere verteidigt. Und Sie leben in der Gemeinschaft der Mobilfunkbetreiber, haben dort viele Menschen, denen sie nahe stehen, mit denen sie zusammen arbeiten. Und dann ist das dann auch ganz normales Abgrenzen und verteidigen gegen andere Lager, ganz unabhängig vom Inhalt der Diskussion. So verteidigen Sie die Idee, die von ihrer Gemeinschaft getragen wird, ganz egal, wie richtig die auch immer ist.

> Felder von Mobilfunk Basisstationen liegen nach aktuellen Messungen in der Groessenordnung von 1000-fach bis 19 Millonen-fach unter den gesetzlichen Grenzwerten. Hier von einer Gefahr zu sprechen, ist allein aus diesem Grund schon unpassend.

Wie schon geschrieben, ich gehe den anderen Weg, weil ich von den Grenzwerten nicht viel halte, weil sie nur thermische Aspekte berücksichtigen. Ich sehe eher, dass wir seit einigen Jahren einer Belastung ausgesetzt sind, die schon rein quantitativ um den Faktor 20-200 mal höher ist, als zuvor. Und auch qualitatitv ist sie völlig anders geartet. Das muß beachtet werden und das ist zu würdigen. Das muß man sehen.

Für mich sind die Grenzwerte aufgrund völlig unzureichender Forschung gemacht worden. Vielleicht konnten wir in der Zeit keine wesentlich bessere Forschung machen und wir können ja auch keine 100 Jahre warten, ehe wir Mobilfunk einführen. Das macht aber die Grenzwerte für mich nicht besser. Es sind Grenzwerte, die für mich wenig Autorität haben. Machen Sie die Grenzwerte nicht zu ihrem Guru! Sie sind es nicht wert. Im übrigen ist das ein dummer Denkfehler, den schon viele gemacht haben: Wir haben noch Unsicherheit, wie etwas genau wirkt. Also definieren wir einen völlig klaren und sicheren Grenzwert, der einem dann das Gefühl von Sicherheit vermittelt: Alles was drunter ist, muß unschädlich sein. Die unsicheren Voraussetzungen, die dazu führten, werden dann schnell vergessen.

Ein Beispiel: Ich weiß nicht, wieviel Vitamine ich brauche und die Frage oder die Angst, nicht genug zu bekommen, quält mich. Jetzt lege ich einfach fest, das genau 1 Apfel genug Vitamine liefert. Dies auch untermauert von irgendwelchen Forschungen, die ich darüber gelesen habe. Und dann behaupte ich, dass dann, wenn ich jeden Tag einen Apfel esse, es absolut ausgeschlossen ist, dass ich aufgrund zuweniger Vitamine krank werden kann. Und jeder, der was anderes behauptet hat unrecht. Und das muß ich mir dann auch immer wieder sagen, um selber daran zu glauben und gegenteilig geäußertes zu zerstreuen, damit ich nicht selber Zweifel bekomme. Und Zweifel die aufkommen, weil meine Intuition auf einmal der Meinung ist, ich bräuchte heute mal mehr, mache ich ebenfalls durch dieses Denkmuster zunichte. Und selbst wenn was schmerzt und ich krank werde, stütze ich mich noch mit aller Kraft auf diese Idee.

Ein anderes Beispiel: Ein Totengräber bringt einen Sarg zum Friedhof. Als sie den Sarg gerade herablassen wollen, klopft es im Sarg. Sie öffnen den Sarg und ein lebender Mensch liegt drin. Der Totengräber sagt: Das kann nicht sein, lt. meinen Unterlagen müssen sie tot sein, schloß den Deckel wieder und begrub ihn.

Wir haben uns schon zu oft ausgetrickst mit irgendwelchen harten Fakten, die wir uns geschaffen haben, die alles weitere Denken ausgeschaltet haben. Machen Sie nicht den Fehler und verlassen sich nur auf die Grenzwerte. Ich garantiere Ihnen, dass wir in 10 Jahren, genau wie bei den niederfrequenten magnetischen Feldern, wesentlich niedrigere Grenzwerte haben werden.

Winfried

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